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Gemeinsam gegen das Vergessen

Herzstück des Hauses Ernsdorfstraße ist die Wohngemeinschaft für Demenzkranke

Im Laufe des Lebens baut sich ein Mensch durch Lernen und aufgrund seiner Lebenserfahrung ein enormes Wissen auf. Im Alter oder bei Eintreten von Vergesslichkeit geht zwar das Wissen um die Dinge des Lebens nicht ganz verloren, möglicherweise fehlen jedoch der eigene Antrieb, die Kraft oder die Lebensfreude, notwendige Schritte auszuführen. Für Menschen, die aufgrund demenzieller Krankheiten an zunehmender Vergesslichkeit leiden, hat die Diakoniestation Kreuztal nun eine gut 400 Quadratmeter große Wohngemeinschaft eingerichtet.


Dietmar Braun (l.) und Lutz Stähler freuen sich, die Seniorenwohnanlage Ernsdorfstraße am Samstag der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Warum immer mehr solcher WGs entstehen, erklärt Dietmar Braun, Geschäftsführer der Diakoniestation Kreuztal: "Die Rückkehr zur Normalität des Lebens steht im Fokus. Eine solche Wohngemeinschaft ist die Antwort auf die demografischen und politischen Entwicklungen in unserem Land." Das Konzept wurde von Beginn an gemeinsam mit den zuständigen Behörden des Kreises Siegen-Wittgenstein entwickelt. Die Einrichtung hat Modellstatus. "Wir möchten Menschen mit einer leichten bis mittelschweren Demenz ein beschütztes, neues Zuhause geben", sagt Lutz Stähler, Verantwortlicher im Haus Ernsdorfstraße. Den Mieterinnen und Mietern stehen neben einem eigenen Zimmer großzügige Gemeinschaftsräume zur Verfügung. "Uns ist wichtig, dass eigene Einrichtungsgegenstände mitgebracht werden. Wir legen großen Wert darauf, dass die Mitglieder der Wohngemeinschaft sich wohl fühlen", so Stähler weiter.

Zwei Einzelzimmern ist jeweils ein Bad zugeordnet. Zum Mittelpunkt des Lebens in der Wohngemeinschaft werden die Gemeinschaftsküche und das gemütliche Wohnzimmer mit einem wärmenden Kachelofen gehören. Bei schönem Wetter kann die Sonnenterrasse genutzt werden.

Der 40 Meter lange Neubau hebt sich in seiner Farbgebung deutlich vom Schwarzweiß des Altbaus ab.

Bei der Bepflanzung der Außenanlagen wurde auch an Obstbäume gedacht. "Es handelt sich um Spindel- und Säulenbäume, die klein bleiben. Die Früchte können in der Gemeinschaft verarbeitet werden", erklärt Lutz Stähler. "Der Tagesablauf wird durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung strukturiert. Die Aufgaben der Betreuungs- und Präsenzkräfte bestehen u. a. darin, die Mieter bei den täglich anfallenden, hauswirtschaftlichen Tätigkeiten anzuleiten, einzubinden und zu unterstützen." Dazu zählen das gemeinsame Erstellen des Speiseplans, das Einkaufen und das gemeinsame Herstellen der Mahlzeiten genauso wie die Gestaltung und Dekoration der Gemeinschaftsräume.

Die selbst hergestellten Mahlzeiten werden von den Mitgliedern der WG auch gemeinsam eingenommen. "Selbstver ständlich werden neben der Arbeit auch andere Inhalte wie Zeitunglesen, Spielen Musizieren und Bewegung angeboten." In der Wohngemeinschaft erleben die Mieter durch die Begleitung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine neue Erfüllung, die zu einer persönlichen Zufriedenheit führt. "Wir laden die Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner ausdrücklich ein, sich am Leben der Wohngemeinschaft zu beteiligen", betont Lutz Stähler. Lebenssinn werde letztlich auch dadurch vermittelt, dass jeder Mensch bis zum letzten Tag seines Lebens für die Gemeinschaft und in der Gemeinschaft mit Menschen leben möchte. "Wenn Pflege erforderlich wird", so Lutz Stähler, "werden Pflegekräfte eines ambulanten Pflegedienstes ins Haus kommen."

Zwölf Bewohnern bietet die WG im Erdgeschoss des Hauses Ernsdorfstraße Platz. Momentan sind noch nicht alle Zimmer belegt. Ein Dutzend Teilzeitkräfte wird für die Betreuung der Mieter sorgen.

» zum zweiten Teil des Beitrags

Erschienen in der Siegener Zeitung vom 9.12.2009
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